Hackelbergstein

Hackelbergstein

Um den Hackelbergstein auf dem Moosberg bei Neuhaus im Solling ranken sich
viele Geschichten und Sagen. In den Heiligen Nächten zur Zeit der Wintersonnenwende jagt der „Wilde Jäger” dann mit seiner Meute durch die Sturmwolken.

Prof. N. Rikus Spuren vorchristlicher Kulte im Weserraum:
Der Eber war ein dem megalithischen Frühlings- und Lichtgott FREY geweihtes Tier. Als „Gullinborsti” hatte er goldene Borsten. Wird der Eber getötet, dann stirbt der Sonnengott; im Tode tötet er den wilden Jäger. Offenbar wird hier auf den Kampf zwischen den Wanen und den Äsen hingewiesen. Das Pferd mit dem Wagen als Abbild der Sonne führt den Toten zu einem Ort, von dem er sich die Auferstehung erhofft. Der Anführer der Totenseelen der Megalithzeit war der Kriegsgott Tyr oder Ziu oder Tiu; diese Aufgabe übernahm bei den Äsen der Odin oder Wodan. Der Hackelbernd ist ein weiterer Name für diesen schamanistischen Gott, weil er einen gehäkelten Mantel trug. Beide Sagen weisen auf einen Wechsel in der politischen und religiösen Führung hin. Die Vorherrschaft der megalithischen, Ackerbau treibenden Wanen wird durch eingedrungene Hirtenvölker den Äsen abgelöst. 1558 besucht der Burggraf zu Spangenberg, Hans Kirchhoff, “Hackelbergs Grab”
und berichtet davon in seinem fünfbändigen Werk „Wend Unmut”. Nach meinen letzten Untersuchungen handelt es sich tatsächlich um eine kultische Grab- und Wiederauferstehungsstätte der Megalithkultur, in der das Julfest, d. h. das Sterben und die Auferstehung der Sonne am Solstitium der untergehenden Sonne gefeiert wurde. Als Beweis hierfür ist der Bogen in der Vorderansicht des Steines zu sehen, der als kleinster Sonnenlaufbogen nach Süd-Süd-West bei einem Azimut von ca. 230° hinweist, wenn der Stein, wie ursprünglich, genordet ist. Entsprechend den größer werdenden Tagbögen wölbt sich auch die Fläche des Steines. In die gleiche Richtung weist auch die Straße von Neuhaus zum Hackelbergstein.
An alten Kultstätten, wie z. B. dem Heiligenberg bei Ovenhausen, ist die Richtung der alten Prozessionsstraße einer der nicht zerstörten Hinweise auf die frühere Nutzung. Die Hackelbergstraße weist in der einen Richtung etwa auf den Sonnenuntergang zur Wintersonnenwende, in der anderen auf den Sonnenaufgang zum Beltain-Fest.
Es muss natürlich die Horizonthöhe und die veränderte Sonnendeklination berücksichtigt werden. Ohne Hackelbergs Grab wäre der Knick in der Straßenführung nicht verständlich. Die Sollingkarte des Herzogs Heinrich Julius von 1603 und besonders die Kurhannoversche Landesaufnahme von 1783 führen die Straße auf diese Stelle hin. Das Felsbild selbst zeigt zunächst das Weltenkreuz mit den vier Hauptrichtungen Nord-Ost-Süd-West. Durch die Anordnung von 4 weiteren Kreuzen in den Vierteln ergibt sich eine 8 -teilung des Kreisbogens und des Jahres. Diese zusätzlichen Kreuze bedeuten zunächst in megalithischer Lesart die Sonnenaufgänge und Untergänge in den Sonnenwenden. Das Zeichen ist dies: * Einmalig ist aber die zusätzliche Spiralsymbolik, die sich in der von Norden aus zunehmenden Größe der Kreuze äußert; wie die Sonne wächst, so wachsen auch die Kreuze. Ähnlich der gewölbten Fläche vom kleinsten Umlaufbogen der Vorderansicht und der Wintersonnenwende aus. Das Zeichen hierfür ist die Spirale: Nun steht das Kreuz in megalithischer Bedeutung auch für den Sonnengott; die verschiedene Armhaltung bedeutet die unterschiedliche Erscheinungsform in den einzelnen Jahreszeiten; als Frey im Frühling mit erhobenen Armen, oft als Kind, hier als kleinstes Kreuz, dann als Hagall im zweiten Jahresviertel mit waagerecht ausgestreckten Armen und als Tyr im dritten und vierten Viertel mit gesenkten Armen. Tyr war der Kriegs- und Todesgott. Er wurde oft als Greis dargestellt. Dass diese Symbolik bezweckt wurde, beweist die Außermittigkeit des letzten größten Kreuzes.

Hackelbergstein

Der etwa meterhohe, von unregelmäßig großen Steinblöcken eingefasste, quaderförmige Sandsteinblöck, ähnlich eines Grenzsteines, zeigt auf seinem gewölbten Scheitel, linear eingetieft, ein schräg gestelltes gleicharmiges Kreuz (Andreaskreuz) mit kruckenkreuzähnlichen (s. Krückenkreuz) Enden; in den Sektorenwinkeln vier einfache lat. Kreuze unterschiedlicher Größe, die ebenfalls gleiche Enden aufweisen und mit den Kopfbalken in die Sektorenwinkel gerichtet sind (Verf.) das Denkmal stammt ursprünglich von der etwa 800 m östl. gelegenen Höhe des Moosberges, wo es mehrfach im Bereich des Standortes versetzt wurde; der Neuhäuser Hegemeister Gotzkowski, der das Revier am Moosberg von 1897 bis 1905 verwaltete, entdeckte den umgefallenen Stein ca. 20 m waldeinwärts vom ‘Försterstieg’ (nördl. Weg vom derzeitigen Standort auf die Höhe) und richtete ihn dort wieder auf, damals soll noch an der linken Vertikalseite das alte hildesheimische Wappen sichtbar gewesen sein; bei einer Durchforstung um 1920 erneut umgefallen und beschädigt wurde der Stein durch den Revierförster Bernhardt 1925 am Platze wieder aufgerichtet; Jahre später sorgten der ehemalige Vorsitzende des Sollingzweigvereins Neuhaus, Gerhard Obermann und der ehem. Bürgermeister, August Müller, Silberborn, dafür, dass der Stein direkt an den Försterstieg versetzt wurde; hier wurden diverse Steinblöcke im Halbrund um den Stein angeordnet und zu Füßen eine Inschriftstafel angebracht (s. r. Foto aus 1963, vorheriger Standort am Försterstieg); wohl in den 70-ziger Jahren erfolgte schliesslich die Versetzung an den derzeitigen Standort am Wanderparkplatz am Abzweig des Försterstieges (Verf.) die Deutung des Denkmals reichte seither der Auffindung von ‘Grenzstein – Grabstein’ bis hin zu ‘Megalithischer Kultstein’, wobei keine schriftlichen Nachweise existieren bzw. unbekannt sind; der Heimatforscher Heinrich Jüttner schreibt folgendes: ‘Ich habe den Stein von jeher für einen alten Grenzstein gehalten, konnte aber lange nicht die mir richtig erscheinende Erklärung bestätigt finden. In Merians Topographie der braunschweigisch-lüneburgischen Lande fand ich dann folgende Stelle unter ‘Das Amt Holzminden’ in Bezug auf das verfallene Jagdschloß des Herzog Heinrich Julius: ‘Dieser Ort, woselbst das neue Haus gebaut, ist fast in der Mitte des Sollings gelegen und grenzen daselbst die beiden Fürstenthumber Wolfenbüttel und Calenberg wie auch nicht weit davon das Stift Hildesheim aneinander …’ Der Stein steht etwa 2 km von der alten Schloßstelle und wenig kürzer von der heutigen braunschweigischen und preußischen Grenze entfernt. Die heute noch stehenden Grenzsteine H B, Herzogt. Braunschw. und K H (Königreich Hannover) sind jüngeren Datums. Also war wohl anzunehmen, dass es sich um einen alten hildesheimischen Grenzstein handelt (Textauszug, H. Jüttner, Der Hackelbergstein am Moosberg, in: Göttinger Spinnstube, Jg. 1925, S. 425, aus: Otfried Ruhlender, Denksteine, Denkmäler und Kreuzsteine im Solling, 3. Aufl., Neuh. i. Solling, 1985) eine weitere literarische Auseinandersetzung mit der Deutung des Steines bildet die Sage vom ‘Wilden Jäger Hackelberg’, aufgeschrieben vom ehemaligen Silberborner Lehrer August Tecklenburg, der ab 1905 Rektor der Herbartschule in Göttingen und Begründer der Sollinger Heimatblätter war (geb. 1863 in Uslar, gest. 1929): (frei übernommen) vor Urzeiten lebte zu Neuhaus im Solling ein Oberjägermeister namens Hackelberg, ein wilder, die Jagd mit großer Hundeschar in dunklen Forsten liebender Herr; vor einer großen Jagd im Solling hatte er einen Traum, dass ihn ein mächtiger Eber zu Boden riss und ihn mit seinen Hauern tötete; am Morgen erzählte er dies seiner Frau, die ihm abriet mit auf die Jagd zu gehen, das er auch befolgte; am Abend kehrten die anderen Jäger mit einem erlegten großen Keiler zurück, den sich Hackelberg genau ansah und beim Heben des Kopfes sagte: ‘nun hau, wenn du kannst !’, doch beim Fallenlassen ritzte einer der Hauer einen Riss in Hackelbergs Bein, dass Blut floss; die Wunde entzündete sich immer mehr und mit H. ging es zu Ende; sterbend fluchte er ‘muss ich sterben an dieser Wunde will ich nicht selig werden, keine Ruhe will ich im Grabe haben und begraben sein will ich an der Stelle im Walde wohin mich mein Schimmel zieht’; die Jäger spannten seinen Schimmel vor einen Schlitten, denn es war Winter, legten seinen Leichnam darauf und trieben das Tier davon, das jedoch genau wusste wo sein Herr am liebsten gewesen war – oben im dunklen Fichtenwald des Moosberges; sein Fluch erfüllte sich, alljährlich zur Jagdzeit im Herbst, steigt er aus seinem Grab und braust mit seinen Jagdgesellen und Hundeschar durch die Wälder im Gedicht des österreichischen Dichters Julius von der Traun (1818-1885) ‘Hackelbergs Tod’ wird der Tod des Jägermeisters nach dem Schlosse Freudental in Uslar verlegt, dessen 10 Strophen in den ‘Sollinger Heimatblätter’, Nr. 3-4, Dezember-Januar 1923/24 abgedruckt sind Pastor A. Harland (1874-1888 in Schönhagen, Solling) bezieht den Mythos der Hackelbergsage auf den Wandel der Jahreszeiten und schreibt: ‘Die Sagen von Hackelberg sind leicht zu erklären und haben ihren Grund in dem Wechsel der Jahreszeiten. Hackelberg ist corrumpiert aus ‘Hackelbernd’ und bedeutet ‘Mantelträger’, ein Beiname des Wodan, dessen Mantel das Himmelsgewölbe ist. Der Eber ist das Symbol des Winters. Hackelberg erlegt einen Eber und wird dann von ihm getötet, so lautet die Sage ursprünglich und bedeutet: der Sommer geht als Sieger über den Winter hervor, wird dann aber von Winter überwältigt. Die Hunde sind Hackelbergs Söhne …’

Quellen:

Hackelbergstein – ein megalithischer Kultstein. kreuzstein.eu

Spuren vorchristlicher Kulte im Weserraum, S. 11-15, von Dipl.-Ing. Prof. Norbert Rikus, Höxter, mit Angabe: genordet aufgestellt am ursprünglichen Standort

Quellangaben: Lit.: 1. O. Ruhlender, 1985, S. 189-195 m. Abb. u. Lageplan, daraus: 2. H. Jüttner s.o., 3. August Tecklenburg s.o., 4. A. Harland, Sagen und Mythen aus dem Solling, in: Zeitschrift des historischen Vereins für Niedersachsen, Jg. 1878; 5. O. Ruhlender (+), 2010, S. 204-207, Nr. 5.2 Hackelbergstein m. Abb. Standort 1963 (Kopie) und Lageskizze, Internet: 1. …roemerfreunde-weser.info-spuren vorchristlicher kulte im weserrraum