Erdrauch

Der botanische Name des Erdrauches – “Fumaria” – stammt vom lateinischen Wort für Rauch ab (fumus) und liegt angeblich etymologisch darin begründet, dass der Saft des wildwachsenden Mohngewächses sowohl im Geruch Rauch ähnelt, als auch eine Tränenreaktion der Augen hervorruft.

Er stammt aus Mitteleuropa und wächst wild an Feldrändern und auf Magerwiesen. Die verzweigt wachsende Pflanze wird bis zu 50cm hoch, bildet kugelförmige Nussfrüchte aus und ist eine dekorative Sommerblume. Das Erdrauchkraut, in der Heilkunde als Fumariae herba bekannt, wurde wegen stimulierender Wirkung auf Leber und Gallenblase und gegen Hauterkrankungen und Ekzemen verwendet.
Schon die Kelten räucherten damit, um mit den Ahnen Kontakt aufzunehmen und im Mittelalter wurde es in Klostergärten angebaut, um es wegen seinem beißenden Rauch beim Exorzismus anzuwenden.

Verwendung in der Pflanzenheilkunde

Die arabischen Ärzte des Mittelalters übernahmen diese Wirkungsangaben und fügten hinzu, dass der Erdrauch durch „Blutreinigung“ juckende Hautkrankheiten heile. In der nordeuropäischen Volksmedizin des 15. Jahrhunderts und in den Kräuterbuchinkunabeln wurde besonders hervorgehoben, dass Zubereitungen aus Erdrauchsaft im Bad eingenommen vor „Aussatz, Krätzigkeit und Räudigkeit“ bewahren sollten. Mit Wolfsmilch vermischt sollte Erdrauchsaft Wasseransammlungen beseitigen. Diese Anwendungsempfehlungen wurden in die Bücher der Väter der Botanik übernommen.

Aus: https://www.pflanzen-deutschland.de/Fumaria_officinalis.html

Bereits Plinius hat die Pflanze erwähnt. Als Arzneimittel wurde früher vor allem der Presssaft (Erdrauchsaft) aus dem frischen Kraut und werden heute meist die getrockneten blühenden Pflanzen eingesetzt. Erdrauchkraut als Tee verwendet man als Spasmolytikum bei krampfartigen Beschwerden im oberen Verdauungstrakt, insbesondere im Bereich der Gallenblase und der Gallenwege. Für die Droge werden dabei neben krampflösenden auch regulierende Eigenschaften auf den Gallenfluss angegeben. Abführende Effekte wurden schon immer in der Volksheilkunde bei Verstopfung genutzt und eine gewisse harntreibende Wirkung bei chronischen Hautleiden. Diese Anwendung wurde in der Schulmedizin aufgegriffen und führte zum Einsatz synthetisch hergestellte Ester der Fumarsäure in der (unter ärztlicher Aufsicht durchgeführten) Therapie von Psoriasis.

Die im 1. Jahrhundert von Dioskurides und Plinius beschriebene Pflanze «kapnos» lässt sich als Fumaria officinalis deuten. Ihr auf die Augenlider aufgestrichener Saft sollte das Wiederwachsen der aus den Lidern ausgezogenen Haare verhindern. Der Saft sollte die Augen klar machen und wie der Rauch Tränenfluss bewirken. Innerlich angewendet sollte er „verbrannte Cholera“ durch den Harn austreiben, Stuhlverstopfung beheben und den Magen kräftigen.


Im September 1986 veröffentlichte die Kommission E des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes eine Monographie über Erdrauchkraut. Darin wurde die Anwendung von Zubereitungen aus dem Kraut zur Behandlung von krampfartigen Beschwerden im Bereich der Gallenblase und der Gallenwege sowie des Magen-Darm-Traktes befürwortet.